Umweltmedizinische Spezialdiagnostik:
Im Rahmen naturheilkundlicher und umweltmedizinischer Behandlungen haben sich in den letzten Jahren viele über das Maß „normaler“ labordiagnostischer Untersuchungen hinausgehende Testwerte und Testverfahren bewährt. Nachfolgend finden Sie daher eine kleine nicht auf Vollständigkeit ausgerichtete Auswahl mit den dazugehörenden Indikationen:
Eine Auswahl von Testwerten bzw. Testverfahren:
• Basophilen-Aktivierungstest „BAT“ (früher Basophilen-Degranulationstest „BDT“ genannt): der Test weist Basophilen-gebundene Allergen-spezifische IgE-Antikörper nach und besitzt somit eine sehr hohe Sensitivität (Basophile sind eine allergische Reaktionen vermittelnde Untergruppe der weißen Blutkörperchen namens „Leukozyten“). Als klassischer „in vitro Provokationstest“ ist der Test unter anderem zum Nachweis von sogenannten Pseudoallergien geeignet, die nicht klassisch durch IgE-Antikörper vermittelt sind (IgE sind die klassischen allergieauslösenden Antikörper). Ein BDT ist zum Beispiel zum Nachweis einer Typ I-Sensibilisierung indiziert, wenn beim Patienten die Gefahr einer starken allergischen oder sogar anaphylaktischen Reaktion auf einen Haut-Pricktest besteht wie zum Beispiel bei Bienen- und Wespengift-Allergie und anderem mehr. Auch der Nachweis von Pseudoallergien auf Lebensmittelfarb- und Nahrungsmittelzusatzstoffe oder auch auf Medikamente ist hierüber durchführbar.
• GPCR-Autoantikörper (GPCR-AAk): G-Protein-gekoppelte Rezeptor-Autoantikörper finden sich unter anderem gehäuft bei Patienten mit Post-Vac- und Post-COVID-Symptomen wie auch „klassisch“ bei Erkrankungen wie myalgischer Enzephalomyelitis (ME = mit Muskelschmerzen einhergehender Hirn-Rückenmarks-Entzündung) / CFS (Chronisches Fatigue Syndrom = Chronisches Müdigkeits-Syndrom). Diese fälschlicherweise vermehrt gebildeten Autoantikörper wirken unter anderem stimulierend auf ubiquitär (im ganzen Körper) vorkommende Rezeptoren des vegetativen Nervensystems, wodurch es zu unterschiedlichsten und teilweise entgegengesetzten Fehlregulationen kommen kann. GPCR-AAk werden mit zahlreichen Störungen und Symptomen des kardiovaskulären, pulmonalen, intestinalen und zentralen Nervensystems sowie Autoimmunerkrankungen in Verbindung gebracht.
• Lymphozyten-Transformations-Testung (LTT): bei diesem labordiagnostischen Testverfahren werden den aus dem Blut des Patienten isolierten Lymphozyten im Rahmen der Labortestung quasi Fressnäpfchen mit den zu testenden Antigenen vorgesetzt. Unter Antigenen werden hierbei Substanzen verstanden, die das Immunsystem als „fremd“ (statt körpereigen) erkennen könnte, um in der Folge eine Immunreaktion einzuleiten. Reagieren die Immunzellen nun auf eine der zu testenden potenziell antigenen Substanzen aggressiv, so kann damit eine allergische Typ-IV-Immunreaktion gegen diese Substanz als gesichert gelten. So können mit diesem Testverfahren allergische Typ-IV-Immunreaktionen gegenüber Umweltschadstoffen, Schwermetallen, zahnärztlichen Mundmaterialien wie z.B.Kunststoffen, Medikamenten, Nahrungsmitteln und anderem mehr nachgewiesen bzw. ausgeschlossen werden. Diese Testungen sind auch insofern besonders relevant, als dass die damit verbundenen allergischen Reaktionen oft erst mit mehreren Stunden zeitlicher Latenz nach Kontakt mit dem Allergen auftreten, was es den Patientinnen und Patienten oft schwer macht, diese selber zu entdecken.
• NK-Zell-Funktionstest: Bei diesem Test messen wir die Reaktion der natürlichen Killerzellen auf im Labor gezüchtete Tumorzellen. Die wichtigste Aufgabe der NK-Zellen im Rahmen der zellulären Immunabwehr ist die Abtötung Virus-infizierter und tumorös entarteter körpereigener Zellen im Sinne einer unspezifischen, aber schnellen Abwehr gegenüber veränderten körpereigenen Zellen („first line of defence“).
• Schwermetall-Testungen: diese dienen dem Nachweis bzw. Ausschluss eventueller Schwermetall-Belastungen anhand unterschiedlicher Nachweisverfahren. Je nach den zu Grunde liegenden Erkrankungen und vorliegenden Expositionen werden unterschiedliche Materialien untersucht. So kann es zum Beispiel bei noch im Mund befindlichen Amalgam-Füllungen sinnvoll sein, die aus den Füllungen freigesetzten Metalle aus zwei Speichelproben des Patienten zu bestimmen, die vor bzw. während des Kauens eines Kaugummis gesammelt wurden. Bei akuten oder schon durch andere Testverfahren festgestellten hochgradigen Belastungen kann eine Schwermetall-Testung aus dem Vollblut sinnvoll sein. Bei dem Verdacht auf eine eher latente oder chronische Schwermetall-Belastung wäre dagegen eher an eine sogenannte Mobilisations-Testung zu denken, bei der die in den verschiedenen Körpergeweben eventuell abgelagerten Schwermetalle erst über ein Entgiftungsmittel mobilisiert und damit in den Ausscheidungsmedien Urin und Stuhl überhaupt erst nachweisbar werden.
• Speichel-Hormontests wie beispielsweise ein Neuro-Stress-Profil: dabei werden zum Nachweis bzw. Ausschluss von Stressbelastungen, Anpassungsstörungen oder einer Burnout-Symptomatik neben unseren Stresshormonen Adrenalin, Noradrenalin und Cortison auch Dopamin, Serotonin, Glutamat, Gammaaminobuttersäure und Dehydroepiandrosteron bestimmt. Aufgrund der Testergebnisse kann die Schwere der vorgenannten neuro-hormonellen Belastungen und Entgleisungen festgestellt und eine individuell angepasste Therapie eingeleitet werden.
• Zellulärer Glutathion-Spiegel: der zelluläre Glutathion-Spiegel kann uns Auskunft darüber geben, in welchem Maß unser Körper das wichtige Entgiftungs-Molekül Glutathion produziert, verbraucht bzw. vorhält.
• Zellulärer Immunstatus: beim zellulären Immunstatus werden wichtige Untergruppen der weißen Blutkörperchen bestimmt, um Aufschluss darüber zu erhalten, in welche Richtung das Immunsystem des Patienten aktiviert bzw. deaktiviert ist. Darüber wird eventuell erkennbar, ob das Immunsystem zum Beispiel gerade gegen Viren, Bakterien oder Tumorzellen kämpft oder sich gerade vermehrt mit Autoimmunprozessen beschäftigt.
• Zelluläres ATP (Adenosin-Tri-Phosphat): der zelluläre ATP-Spiegel korreliert sehr gut mit unserer momentanen Energieproduktion, da ATP quasi die „energetische Währung“ unseres Körpers darstellt, ohne die viele Körperprozesse gar nicht ablaufen könnten. Gemessen wird dieser Parameter stellvertretend für den Restkörper in den Lymphozyten und Monozyten einer Blutprobe.
Genetische Untersuchungen:
Nach entsprechender Beratung und eventuell schon zuvor wegweisenden Untersuchungen kann es unter Umständen auch ratsam sein, einige ausgewählte genetische Polymorphismen labordiagnostisch abzuklären. Unter genetischen Polymorphismen ist dabei zu verstehen, dass von Individuum zu Individuum kleinere oder größere genetische Unterschiede in den über unsere Gene festgelegten Bauplänen für unser Körpersystem bestehen können. Diese können zu funktionellen Veränderungen unseres Stoffwechsels mit unter Umständen weitreichenden Konsequenzen führen.
Als Beispiele seien einige Entgiftungsenzyme genannt:
• Glutathion-S-Transferasen: die Glutathion-S-Transferasen sind ein Enzymsystem, das die zu entgiftenden Substanzen wie z.B. Schwermetalle durch Kopplung an ein Glutathion-Molekül wasserlöslich und damit überhaupt erst über die Nieren ausscheidbar machen.
• N-Acetyl-Transferase-2: die N-Acetyl-Transferase-2 ist ein Enzym, das die zu entgiftende Substanz durch Kopplung an ein Acetyl-Molekül zu entgiften versucht.
• Superoxiddismutase (SOD): SOD ist der Name für alle Enzyme, die Superoxid-Anionen zu Wasserstoffperoxid umwandeln, das über ein weiteres Enzym zu Wasser abgebaut wird. Superoxid (eine so genannte reaktive Sauerstoffspezies) ist sehr reaktionsfreudig und kann Proteine und Gene durch sogenannten oxidativen Stress schädigen. Die durch SOD unterstützte Reaktion ist daher besonders wichtig für auf Sauerstoff angewiesene Lebewesen und dient u.a. dem Schutz bei Mitochondriopathien, also Erkrankungen unserer Mitochondrien (der Kraftwerke in unseren Zellen), die u.a. das ATP herstellen.